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So bleibt Ihre Stimme elastisch.

Ach herrje, wieder ein Fältchen mehr?

Die Landkarte unserer Haut ist der Spiegel der Zeit. Und kein Weg – auch kein chirurgischer – führt an der Tatsache vorbei, dass wir vom Tag unserer Geburt an altern. An sich keine Katastrophe. Man kann ja was tun, wie es so schön heißt. Auch die Stimme kann „aktiv altern“.

Wie wirkt sich nun das Altern, das älter werden auf die Stimme aus?

Mit unserem Alter kommen auch all jene „Bestandteile“ in die Jahre, die für unsere Stimme verantwortlich sind: Muskeln und Gewebe verändern sich in ihrer Spannkraft und Elastizität, der Kehlkopf verknöchert und verändert damit seine Struktur. Dies kann zu einer Verminderung der dynamischen Fähigkeiten (z. B. einer sehr leisen oder sehr lauten Stimme) und zu einem veränderten Klang führen. Die „Geläufigkeit“ der Stimme kann abnehmen, rasche Tonfolgen werden herausfordernder. Auch die Möglichkeiten der Lunge reduzieren sich zumeist: Durch eine verminderte Atemfunktion können gesungene Töne nicht mehr so lange (aus-)gehalten werden. Eine altersbedingte Hörverminderung wiederum wirkt sich auf das Feinjustieren der Stimme über das Gehör aus.

Doch verzweifelt nicht!

Die frohe Botschaft lautet: Jeder Mensch altert anders. Im Gegensatz zum kalendarischen Alter, das sich auf die Lebensdauer bezieht, wirkt das biologische Alter. Hier spielen Vererbung, Lebenssituation, Stimmhygiene und allgemeiner Gesundheitszustand zusammen. Kennen Sie sicher: Menschen in den besten Jahren, deren Stimme bereits gealtert oder verbraucht klingt. Umgekehrt gibt es deutlich Ältere mit voller, resonanzreicher und ausdrucksstarker Stimme, die noch einen Sängerberuf ausüben.

So wie unbiologisches Verhalten unseren allgemeinen Alterungsprozess beschleunigen kann, so kann auch ein unphysiologischer Umgang mit der Stimme ihre Langlebigkeit und Vitalität negativ beeinflussen. Jeder hat es also bis zu einem hohen Grad selbst in der Hand, die Gesundheit der Stimme und der stimmlichen Fähigkeiten positiv als auch negativ zu beeinflussen: Mit ausreichender Luftfeuchtigkeit, entsprechender Zufuhr von Flüssigkeit (Wasser, verdünnte Fruchtsäfte, Tees), abwechslungsreicher Ernährung, Bewegung und vor allem mit einem physiologischen Gebrauch der Stimme.

Sind Sie unsicher, ob Sie beim Sprechen und Singen Ihren Körper unterstützend und physiologisch einsetzen? Oder ob sich Ihre Stimme im Rahmen eines natürlichen Altersprozesses verändert? Dann empfehlen wir eine (logopädische) Stimmberatung oder Abklärung.

Wie Sie Ihre Stimme unterstützen?

  • Halten Sie Ihre Stimme leicht und beweglich. Spielen Sie mit der Stimme! Während des Duschens, zwischendurch, einfach so. Mit Herzenslust! Wie wär`s mit einem freudigen Trällern auf ein „dommdala“ oder ein „trallalla“?
  • Auch im Sitzen lassen sich zwischendurch wunderbar kleine Sprachspielereien einbauen: Kindergedichte, Verse, Texte, die Ihnen spontan in den Sinn kommen, Spaß machen. Auch Gedichte von Autoren wie Jandl bieten sich an. Variieren Sie diese Texte in Tonlage, Lautstärke, Ausdruck und auch inhaltlich. Wenn Sie ein wortwörtliches Ablesen vermeiden, fällt es leichter, den Ausdruck nach außen, in den Raum, den Sie mit Ihrer Stimme erfüllen wollen, zu richten.
  • Während des Sprechens von Sprech- und Sprachspielereien im Sitzen empfehlen wir, kreisende Bewegungen des Beckens auszuprobieren. Gerade so als ob Ihre Sitzhöcker, die auf der Sitzfläche meist gut zu spüren sind, Kreise ziehen würden. Große, großzügige Bewegungen bis hin zu kleinen, die kaum mehr wahrnehmbar sind. Langsam und ausgiebig. Dieses Beckenkreisen fördert Ihr körperunterstütztes Sprechen.

Was uns das sagt? Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Initiative ist gefragt! Oder in den Worten von Luisa Tetrazzini, der großen Koloratursängerin des letzten Jahrhunderts: „Wenn des Sängers Gesundheit gut ist, sollte der Gebrauch und die Qualität der Stimme erst mit dem Tode aufhören, vorausgesetzt, sie ist mit Kunstverstand genutzt worden.“

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