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Seien Sie ganz Ohr!

Für diesen sommerfrischen Tipp benötigen Sie nicht mehr als Ihre Lieblingsmusik – und eine Sitzgelegenheit, auf der Sie es sich bequem machen.

Sie starten die Musik und schließen die Augen. Die erste Aufgabe besteht nur darin, dem Stück zu lauschen und währenddessen im eigenen Körper nachzuspüren: Beeinflusst das Zuhören meine Atemfrequenz, meinen körperlichen Spannungszustand? Tauchen Emotionen auf? Welche Teile des Musikstücks genieße ich ganz besonders?

Wenn Sie die Trainingsintensität steigern möchten (ja, wir trainieren gerade!), dann suchen Sie sich ein bestimmtes musikalisches Element aus – etwa die Gitarre, ein Schlagzeug, eine Flöte, einen Backgroundsänger oder ähnliches. Gerne einen Sound wählen, der nicht am deutlichsten hörbar ist. Stellen Sie sich nun vor, dass Ihre Ohren wie eine Lupe funktionieren – mit Hilfe dieser „Lupe“ folgen Sie dem ausgesuchten Sound wie ein neugieriger Sherlock Holmes. Wann taucht das Element/der Sound zum ersten Mal auf? Wo verschwindet er wieder oder verwebt sich mit anderen Instrumenten oder Stimmen? Wenn Sie etwas mehr Zeit haben, können Sie noch ein anderes Element ihrer Lieblingsmusik „belauschen“. Welches spricht Sie mehr an? Aus welchem Grund?

Dieses kleine Gehörtraining können Sie abschließen, wann es für Sie passt – je nachdem, wieviel Zeit Ihnen zur Verfügung steht. Um sanft wieder aus der Übung zurückzukehren, öffnen Sie langsam Ihre Augen und räkeln sich ein wenig. Gähnen Sie, wenn Sie das Bedürfnis dazu verspüren.

Gehörtraining? Ja – genau das haben wir gerade gemacht. Wie es Prof. Horst Coblenzer vom Reinhardt-Seminar in Wien so schön formuliert hat: Nur was ich hörend unterscheide, kann ich im Sprechen umsetzen.

Dieses bewusste Hören trainiert Ihr Gehör. Ihre erweiterte Gehör-Palette können Sie für Ihr Sprechen einsetzen (mehr dazu in unserem Seminar „Stimme be:stimmt!“). Wer einem Musikstück aufmerksam lauschen kann, der kann dieses Knowhow auch in der Kommunikation einsetzen: So sind Musiker, die täglich ihr Gehör trainieren, besser in der Lage, die Zwischentöne in der menschlichen Kommunikation wahrzunehmen.

Fazit aus dem Munde des Literaturnobelpreisträgers Joseph Brodsky: Willst du das Zwitschern eines Vogels ergründen, so erforsche nicht den Vogel, sondern dein Ohr.

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